Das Schloss Château Guy de Wendel

Das Schloss Château Guy de Wendel, das auch Château du Tournebride genannt wird, wurde 1906 von Guy de Wendel (1878-1955), dem Sohn von Robert de Wendel (1847-1903), erbaut.

DIE GESCHICHTE DES SCHLOSSES

 

Das Schloss besitzt einen Park mit einer Größe von 4,3 Hektar. Hier bewunderte man Brunnen, Becken, Gewächshäuser und einen hängenden Garten. Seltene Baumarten wurden hier angepflanzt.

Das Schlossinnere ist mit Holztäfelungen und Marmorkaminen eingerichtet.

Bis 1978 wurde das Schloss von Ségolène de Wendel bewohnt, der letzten Vertreterin der Familie, welche 274 Jahre lang über Hayange regiert hatte.

Guy de Wendel

DIE FAMILIE DE WENDEL

 

De Familie de Wendel ist eine Schmiedemeister-Familie, deren Geschichte nicht nur untrennbar mit der Geschichte Lothringens, sondern auch mit der industriellen Geschichte Frankreichs verbunden ist, da sie die Gründerin eines Stahlunternehmens von internationaler Größe ist.

Die aus Brügge stammende Familie Wendel ließ sich im Jahre 1704 in der Person von Jean-Martin de Wendel (1665-1737) in Hayange nieder. Ihm folgten acht Generationen von Schmiedemeistern, die häufig in die lothringische und in die Nationalpolitik verwickelt waren. François (1778-1825) war insbesondere Abgeordneter und Präsident des Generalrats des Departements Mosel. Sein Sohn Charles (1809-1870) war unter Napoleon III. Abgeordneter des Departements Mosel. Dessen Sohn Henri (1844-1906) wiederum war rebellischer Reichstagsabgeordneter unter der deutschen Besetzung. Henris Sohn, François (1874-1949), ist die symbolträchtige Person dieser Dynastie: Schmiedemeister, Senator, Generalrat, Präsident des Schmiedeverbands und Regent der Banque de France. Er ist der Vater von Gräfin de Mitry (1907-1976), deren Name einem Tennispokal verliehen wird, der noch heute jährlich beim Wettkampf des Tennis-Clubs von Hayange umkämpft ist.

Die Familie lebte im zum Teil zerstörten Schloss von Hayange, nicht weit vom imposanten Hauptsitz entfernt. Ein Neffe Henris, Guy de Wendel (1878-1955), Senator und Präsident des Generalrats des Departements Mosel, ließ 1906 ein Schloss errichten, das dann seine Nichte, Ségolène de Wendel (1908-1981), bewohnte. Sie spielte eine wichtige Rolle bei der Widerstandsbewegung und war eine wesentliche Unterstützung für zahlreiche Einwohner Lothringens, die zur Abwanderung verurteilt waren.

Heute ist dieses Schloss zum Hotel, Restaurant und Geschäftszentrum geworden. Die Anspielung auf „La Dame du fer“ betrifft eine andere bedeutende Persönlichkeit der Wendel-Dynastie: Marguerite d’Hausen (1718-1802), Gattin von Charles de Wendel (1708-1784), dem Sohn von Jean-Martin, der die Familienangelegenheiten während der Revolution steuerte, wurde während des Terrorregimes enteignet und starb in der Armut in Metz. In der gemeinschaftlichen Erinnerung bleibt sie „Madame d’Hayange“, die „Dame de fer“(Dame des Eisens). 2004 fand im Kunstmuseum Musée d’Orsay in Paris eine Ausstellung zur dreihundertjährigen Geschichte dieser Familiensaga statt, es folgte eine weitere Ausstellung im Veranstaltungssaal Molitor in Hayange, zu der zahlreiche Mitglieder dieser Familie anwesend waren, von denen einige ihren lothringischen Wurzeln treu geblieben sind und noch immer in unserer Region leben.